Die Ausschreibungsfalle im Full-Service-Leasing: Warum die günstigste Offerte selten die beste ist
Fünf Leasingofferten, 559'000 Franken Unterschied – und trotzdem nicht vergleichbar. Warum professionelle Ausschreibungen im Full-Service-Leasing über echte und scheinbare Ersparnisse entscheiden.

Ein Schweizer Unternehmen schreibt Full-Service-Leasing für 85 Fahrzeuge aus. Fünf Offerten kommen zurück, die Monatsraten liegen zwischen CHF 1'147 und CHF 1'284 pro Fahrzeug – hochgerechnet auf Flotte und Laufzeit ein Unterschied von rund CHF 559'000. Die Wahl scheint klar. Doch die vermeintliche Ersparnis ist grösstenteils eine Illusion: Die Offerten sind in keiner einzigen Komponente wirklich vergleichbar.
Fünf Offerten, ein trügerischer Sieger
Auf dem Papier ist die Sache eindeutig: Die günstigste Rate gewinnt. Doch wer im Full-Service-Leasing nur auf die Gesamtrate schaut, vergleicht Äpfel mit Birnen. Denn hinter jeder Monatsrate steckt eine eigene Kalkulationswelt – mit eigenen Annahmen, eigenem Leistungsverständnis und eigener Risikoeinschätzung. Die scheinbar klare Rangfolge sagt deshalb wenig darüber aus, welches Angebot tatsächlich das wirtschaftlichste ist.
Sechs Komponenten, sechs Kalkulationswelten
Die Monatsrate im Full-Service-Leasing setzt sich aus sechs Bausteinen zusammen: Finanzierung (Amortisation und Zinsen), Service und Unterhalt, Reifen, Versicherung sowie den Durchlaufposten Treibstoff und Strassenverkehrssteuer. Jeder Anbieter kalkuliert diese Komponenten nach eigenen Annahmen. Das Resultat sind Raten, die sich einem direkten Vergleich entziehen – obwohl sie auf den ersten Blick dieselbe Leistung abzubilden scheinen.
Der Haupttreiber: Restwert und Zinssatz
Die Finanzierung ist der grösste und komplexeste Einzelposten. Der entscheidende Hebel ist der kalkulierte Restwert des Fahrzeugs am Laufzeitende: Je höher der Restwert, desto tiefer die monatliche Amortisation – und damit die Rate.
Wie stark Restwert und Zinssatz zusammenspielen, zeigt der Vergleich im Praxisfall eindrücklich. Ein Anbieter mit 48 Prozent Restwert und 3,8 Prozent Zins landet bei CHF 659 Finanzierungsanteil. Ein anderer setzt mit 50 Prozent den höchsten Restwert an, frisst den Vorteil aber mit dem höchsten Zinssatz (4,5 Prozent) wieder auf – CHF 661. Ein dritter kalkuliert den tiefsten Restwert (40 Prozent) und landet trotz günstigstem Zins (2,9 Prozent) beim teuersten Finanzierungsanteil von CHF 710. Wichtig: Ein zu hoch angesetzter Restwert kann je nach Vertragsmodell am Laufzeitende zu Diskussionen oder Mehrbelastungen führen.
Service, Reifen, Versicherung – jeder rechnet anders
Bei den Servicepauschalen (CHF 75 bis 105 pro Monat) zählt nicht der Preis allein, sondern was inbegriffen ist: Bremsenwechsel, Hauptuntersuchung, Pannenhilfe, Ersatzfahrzeug. Was bei einem Anbieter inklusive ist, stellt ein anderer separat in Rechnung. Ohne exakt definierten Leistungsumfang ist die Servicepauschale schlicht kein Vergleichskriterium. Nicht anders sieht es bei Reifen (CHF 48 bis 80) und Versicherung (CHF 85 bis 102) aus: Anzahl Sätze, Einlagerung, Selbstbehalte und Deckungsumfang – jeder Anbieter hat seine eigene Lösung.
Durchlaufposten: Scheinunterschiede ohne Realität
Besonders trügerisch sind die Durchlaufposten. Treibstoff und Strassenverkehrssteuer werden am Ende ohnehin nach tatsächlichem Verbrauch und kantonalem Steuersatz abgerechnet. Trotzdem kalkulieren die Anbieter sie unterschiedlich – mit Treibstoffpreisen von CHF 1.50 bis 1.90 pro Liter und Steuersätzen von CHF 30 bis 55 pro Monat. Allein diese beiden Posten erklären bis zu CHF 81 Ratendifferenz pro Fahrzeug und Monat, ohne dass dahinter ein realer Kostenunterschied steht.
Was professionelle Ausschreibungen anders machen
Der Ausweg aus der Ausschreibungsfalle liegt in vier klaren Schritten:
- Durchlaufposten normieren: Treibstoffansatz und Kantonsmix werden für alle Anbieter einheitlich vorgegeben.
- Leistungen exakt definieren: Serviceleistungen, Reifenpakete und Versicherungsdeckungen werden verbindlich und identisch beschrieben.
- Finanzierung transparent machen: Restwert und Zinssatz werden offen ausgewiesen statt in der Gesamtrate versteckt.
- Vertragsbedingungen festlegen: Mehrkilometer, Schadenabwicklung und Vertragsauflösung werden vorab verbindlich geregelt.
Auch nach einer sauber normierten Ausschreibung liegen die Offerten noch auseinander – das ist gewollt. Der entscheidende Unterschied: Die verbleibenden Differenzen entstehen nicht mehr aus kalkulatorischen Scheinparametern, sondern aus der Restwerteinschätzung und der individuellen Risikobewertung der Anbieter. Es sind reale, wirtschaftlich begründbare Unterschiede – keine Vergleichsverzerrungen.
Fazit: Einfach ist teuer, professionell ist günstig
«Beim ersten Mal dachten wir, Ausschreiben sei einfach. Jetzt wissen wir: Einfach ist teuer. Professionell ist günstig», bringt es der Flottenverantwortliche des betroffenen Unternehmens auf den Punkt. Der scheinbare Vorsprung der günstigsten Offerte schmilzt bei näherer Betrachtung zusammen – und wer die falsche Rate wählt, zahlt am Ende drauf.
Entscheidend ist eine neutrale Moderation der Parameter, nicht die Perspektive eines einzelnen Leasinganbieters. Genau hier setzen wir an: Mit strukturierten, herstellerneutralen Ausschreibungen sorgen wir dafür, dass Sie Ihre Full-Service-Leasing-Offerten wirklich vergleichen können – und die wirtschaftlich beste Entscheidung treffen statt der scheinbar günstigsten.

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